Inhalt(14 Kapitel)
- Polizei-Pension nach Bundesland: wer Altersgeld bekommt
- Nachversicherung nach § 8 SGB VI: Beispielrechnung A11
- Altersgeld berechnen: Formel, Versorgungsabschlag, Beispiel A11
- Pension vs. Altersgeld vs. Nachversicherung: der direkte Vergleich
- Vier Verlustpunkte, die in den meisten Wechsel-Rechnungen fehlen
- Sozialabgaben-Differenz: die häufig übersehene Brutto-Netto-Lücke
- Beihilfe und Heilfürsorge: was beim Wechsel passiert
- Eine Kompensationsmöglichkeit: Riester-Förderung nach Nachversicherung
- Was ein Wechsel-Gehalt leisten muss: der reale Break-Even
- Realistische Wechselgehälter: was der Markt 2026 zahlt
- Die nüchterne Bilanz: Geld ist eine Dimension, nicht die einzige
- Pension-Verlust selbst berechnen: drei Zahlen, drei Anträge
- Häufige Fragen
- Quellen
Es ist der Satz, der das Gespräch über den Wechsel zu Hause oft sofort beendet: „Ja, aber dann ist deine Pension weg, oder?" Die übliche Antwort ist ein vages „so ganz ist es wohl nicht weg". Das stimmt — aber nur halb. Und die fehlende Hälfte ist die finanziell entscheidende.
Wer ernsthaft erwägt, den Polizeidienst zu verlassen, steht früher oder später vor derselben Rechnung: Was bleibt von der Versorgung? Was deckt die gesetzliche Rente nach Nachversicherung wirklich ab? Welches Brutto-Gehalt müsste der neue Job mindestens haben, um das bisherige Netto zu erreichen? Und welche Bestandteile der Beamtenbesoldung verschwinden bei Antragsentlassung am Tag eins ersatzlos, ohne dass viele in der Vorbereitungsphase sie einkalkulieren?
Polizei-Pension nach Bundesland: wer Altersgeld bekommt
Beamtenrechtlich gilt: Wer auf eigenen Antrag aus dem Polizeidienst ausscheidet (Landesbeamte über § 23 Abs. 1 Nr. 4 BeamtStG, Bundesbeamte über § 33 BBG), verliert sämtliche Versorgungsanwartschaften aus dem Beamtenverhältnis. Das ist der zentrale rechtliche Punkt. Was an deren Stelle tritt, hängt von der Verwaltungseinheit ab, der Sie als Beamtin oder Beamter angehört haben.
Auf Bundesebene und in neun Ländern existiert ein Altersgeld, das die verlorene Pension teilweise ersetzt — geregelt im Altersgeldgesetz des Bundes (AltGG) und in den jeweiligen Landesversorgungsgesetzen. Es ist eine ruhegehaltsähnliche Leistung, die ab dem regulären Rentenbeginn aus den ehemaligen Beamten-Bezügen berechnet wird. In sieben Ländern gibt es kein Altersgeld — dort bleibt ausschließlich die Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung.
| Verwaltungseinheit | Altersgeld vorhanden? | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Bund | ja | AltGG |
| Baden-Württemberg | ja | jeweils im Abschnitt „Altersgeld" des Landesbeamtenversorgungsgesetzes |
| Bremen | ja | dito |
| Hamburg | ja | dito |
| Hessen | ja | dito |
| Mecklenburg-Vorpommern | ja | dito (Landesaltersgeldgesetz / LBeamtVG M-V) |
| Niedersachsen | ja | dito |
| Sachsen | ja | dito |
| Schleswig-Holstein | ja | dito |
| Thüringen | ja | dito |
| Bayern | nein | — |
| Berlin | nein | — (Prüfauftrag aus Koalitionsvertrag 2023; nach Stand 7. Mai 2026 nicht eingeführt) |
| Brandenburg | nein | — |
| Nordrhein-Westfalen | nein | — |
| Rheinland-Pfalz | nein für Polizei | (AltGG nach § 83a LBeamtVG RP nur für hauptamtliche kommunale Wahlbeamte) |
| Saarland | nein | — |
| Sachsen-Anhalt | nein | — |
Übersicht zum Stand 7. Mai 2026. Die §§ verweisen auf die jeweils geltende Fassung der Landesversorgungsgesetze; verbindlich ist der Wortlaut des jeweiligen Gesetzes in der zum Entscheidungszeitpunkt geltenden Fassung. Quelle der Übersicht: BMI — Altersgeld; ergänzt durch die Landesversorgungsgesetze.
Diese föderale Spreizung ist der Faktor mit dem stärksten finanziellen Hebel jeder Wechsel-Bilanz. Wer aus Niedersachsen oder Hessen geht, verliert finanziell deutlich weniger als wer aus NRW oder Bayern geht — unter sonst identischen Bedingungen. Wie groß die Differenz konkret ausfällt, zeigt die Mechanik der Nachversicherung.
Polizei NRW: keine Altersgeld-Option — was das konkret kostet
NRW kennt für Polizeibeamtinnen und -beamte kein Altersgeld. Bei Antragsentlassung greift ausschließlich die Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 8 SGB VI. Der ehemalige Dienstherr zahlt rückwirkend Beiträge auf Basis der tatsächlichen Beamten-Bruttobezüge. Konkret heißt das für die typische A11-Persona mit 16 Dienstjahren: rund 786 € Brutto-Anwartschaft pro Monat ab Regelaltersgrenze (Berechnung weiter unten).
Polizei Bayern: kein Altersgeld trotz höchster Besoldung
Bayern hat die bundesweit höchste Beamtenbesoldung in der Polizei — aber kein Altersgeld. Wer aus dem bayerischen Polizeidienst auf Antrag ausscheidet, ist auf die Nachversicherung verwiesen. Eine bayerische Polizeihauptkommissarin verliert bei Wechsel den proportional höchsten absoluten Pensionsbetrag — der Anreiz zum Verbleib ist hier strukturell am stärksten. Bayerische Polizeibeamtinnen und -beamte erhalten zudem freie Heilfürsorge statt Beihilfe (siehe Sektion „Beihilfe und Heilfürsorge" weiter unten).
Polizei Berlin: Prüfauftrag offen, aktuell nur Nachversicherung
Der Berliner Koalitionsvertrag 2023 enthielt einen Prüfauftrag zur Einführung von Altersgeld. Nach Stand Frühjahr 2026 ist das Altersgeld in Berlin nicht eingeführt. Berliner Polizeibeamtinnen und -beamte sind bei Antragsentlassung auf die Nachversicherung verwiesen. Aktuelle Gesetzgebungsverfahren beim Berliner Innenministerium oder Abgeordnetenhaus vor Antragstellung prüfen.
Nachversicherung nach § 8 SGB VI: Beispielrechnung A11
Die Nachversicherung ist verfahrenstechnisch klar geregelt: Der ehemalige Dienstherr zahlt rückwirkend Rentenversicherungsbeiträge auf Basis der tatsächlichen Beamten-Bruttobezüge. Die Beamten-Jahre werden in der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt — als wären sie reguläre Arbeitnehmer-Jahre gewesen. Aus diesen Beiträgen entstehen Entgeltpunkte, die später als Rente ausgezahlt werden.
Der aktuelle Rentenwert (bundeseinheitlich, ab 1. Juli 2026): 42,52 € pro Entgeltpunkt. Quelle: Deutsche Rentenversicherung — Rentenanpassung 2026; festgesetzt nach der Rentenwertbestimmungsverordnung 2026.
Eine konservative Beispielrechnung für eine Polizeihauptkommissarin oder einen Polizeihauptkommissar in NRW (Eintritt mit 28 Jahren, A11, Wechsel mit 44 Jahren nach 16 Dienstjahren, mittleres Jahresbrutto über die Dienstzeit etwa 60.000 € — niedrige Erfahrungsstufen mitgemittelt; Endbrutto zum Wechsel-Zeitpunkt ca. 5.500 € ruhegehaltsfähig inkl. Polizeizulage):
- Entgeltpunkte pro Jahr: Bruttobezug ÷ Durchschnittsentgelt (51.944 € für 2026 nach Rechengrößenverordnung 2026) ≈ 1,155 EP/Jahr.
- 16 Jahre × 1,155 ≈ 18,5 Entgeltpunkte.
- Monatliche Rentenanwartschaft: 18,5 × 42,52 € = rund 786 € Bruttorente ab Erreichen der Regelaltersgrenze.
- Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner (zusammen 11–12 %): netto rund 690 €/Monat.
Eine Polizeihauptkommissarin in NRW (A11, 16 Dienstjahre) erhält nach Nachversicherung also rund 786 € Bruttorente pro Monat ab Regelaltersgrenze. Die genaue Höhe hängt von Bundesland-Besoldung, individueller Erfahrungsstufe und der späteren Erwerbsbiografie ab. Beide Beträge sind Modellrechnungen — eine verbindliche Auskunft erteilt nur die Deutsche Rentenversicherung selbst nach Antrag auf Renteninformation.
Altersgeld berechnen: Formel, Versorgungsabschlag, Beispiel A11
Altersgeld funktioniert anders als die Nachversicherung. Es ist eine eigenständige, ruhegehaltsähnliche Leistung, die ab dem regulären Rentenbeginn fließt und sich aus den ruhegehaltsfähigen Bezügen am Ende der Beamtenzeit berechnet. Die Formel im Bund (vereinfacht; § 6 AltGG):
Altersgeld = ruhegehaltsfähige Dienstzeit × 1,79375 % × ruhegehaltsfähige Bezüge × Versorgungsabschlag × Anpassungsfaktor
Der Versorgungsabschlag ist gestaffelt:
- 0,85 bei einer ruhegehaltsfähigen Dienstzeit unter zwölf Jahren
- 0,95 ab zwölf Jahren ruhegehaltsfähiger Dienstzeit
Quelle: Zoll — Berechnung des Altersgeldes; § 6 Abs. 1 AltGG. Hinzu kommt der Anpassungsfaktor nach § 69e BeamtVG, der das Ergebnis leicht senkt (in der jüngsten Anpassung etwa um ein Prozent — die exakte Rechenstelle ergibt sich aus der jeweils geltenden Versorgungsanpassungsverordnung).
Der Gesetzgeber begründet den Abschlag mit dem Ziel, den Verbleib im Dienst gegenüber dem Wechsel zu privilegieren. Wirtschaftlich heißt das: Selbst im günstigeren Fall (≥ 12 Dienstjahre) liegt das Altersgeld etwa fünf Prozent unter der anteiligen Pension bei Verbleib im Dienst.
Für die Beispiel-Persona (A11, 16 Dienstjahre, ruhegehaltsfähige Bezüge etwa 5.500 € inklusive Endgrundgehalt und ruhegehaltsfähiger Polizeizulage in NRW — wäre also nur relevant in einem Altersgeldland, in NRW gibt es kein Altersgeld; die Rechnung ist Anschauung):
- 16 × 1,79375 % = 28,7 %
- 28,7 % × 0,95 (≥ 12 Dienstjahre) = 27,3 %
- 5.500 € × 27,3 % ≈ rund 1.500 € Bruttobezug/Monat Altersgeld ab Regelaltersgrenze (vor Anpassungsfaktor; nach KV/PV der Rentner netto rund 1.300 €).
Verbindliche Auskunft erteilt nur das zuständige Landesamt für Besoldung und Versorgung bzw. das Bundesverwaltungsamt nach Antrag.
Steuer-Asymmetrie zwischen Altersgeld und Nachversicherungsrente
Beide Leistungen werden steuerlich unterschiedlich behandelt. Altersgeld zählt als Versorgungsbezug nach § 19 Abs. 2 EStG mit Versorgungsfreibetrag (bei Versorgungsbeginn 2026 etwa 13,6 % der Bezüge, max. ca. 1.020 €/Jahr; jahrgangsbezogen abnehmend). Die Nachversicherungsrente zählt als sonstige Einkünfte mit Besteuerungsanteil (für Rentenbeginn 2026: 84 %, ab 2040: 100 %). Die Netto-Differenz zwischen Altersgeldland und Nachversicherungsland kann sich dadurch je nach Gesamteinkommen im Alter um weitere 50–100 €/Monat zugunsten des Altersgelds verschieben.
Pension vs. Altersgeld vs. Nachversicherung: der direkte Vergleich
Der häufigste Fehler in Wechsel-Rechnungen ist, nur die volle Pension bei Vollverbleib bis 65 mit der Nachversicherungsrente zu vergleichen. Das überzeichnet den Verlust. Korrekt ist ein Drei-Szenarien-Vergleich. Für die Persona A11/16 Jahre/NRW (Bezüge ca. 5.500 € ruhegehaltsfähig):
| Szenario | Bruttoanspruch ab Regelaltersgrenze |
|---|---|
| (1) Vollverbleib bis 65 — volle Pension (max. 71,75 % nach 40 Dienstjahren) | ca. 3.950 € |
| (2) Anteilige Pension nach 16 Dienstjahren — 28,7 %, rein hypothetisch | ca. 1.580 € |
| (3a) Bundesland mit Altersgeld — 27,3 % der ruhegehaltsfähigen Bezüge | ca. 1.500 € |
| (3b) Bundesland ohne Altersgeld — Nachversicherung in der GRV | ca. 786 € |
Methodischer Hinweis: Persona NRW entspricht Szenario (3b); Szenario (3a) dient als Gegenrechnung für Altersgeldländer. Szenario (1) ist zu heutigen Bezügen gerechnet, ohne weitere Beförderungen oder Erfahrungsstufen — eine reale Verbleibs-Pension nach 24 weiteren Dienstjahren läge nominell höher. Szenario (2) ist eine rein hypothetische Bezugsgröße — eine „Pension nach 16 Jahren" gibt es im Beamtenrecht nicht (Mindestdienstzeit fünf Jahre erfüllt, aber keine Auszahlung ohne Dienstzeitende). Sie dient als Verlust-Vergleichsmaßstab gegen Szenario (3).
Die ehrliche Verlustkante ist Szenario (2) → Szenario (3): Wer in einem Nachversicherungsland aussteigt, verliert gegenüber dem fiktiven anteiligen Pensionsanspruch rund 800 Euro pro Monat lebenslang. Wer in einem Altersgeldland geht, verliert nur etwa 80 Euro pro Monat. Die Differenz zwischen Szenario (1) und Szenario (2) — also ca. 2.400 € — ist die entgangene Weiter-Anwartschaft für die Jahre, die Sie nicht mehr im Dienst verbringen würden. Diese Anwartschaft ist auch bei Vollverbleib nur eine Erwartung, nicht bereits erdiente Versorgung.
Vier Verlustpunkte, die in den meisten Wechsel-Rechnungen fehlen
Die Pensionsanwartschaft ist der größte, aber nicht der einzige Verlust. Vier weitere Posten verschwinden mit dem Tag der Antragsentlassung — und sie zählen im Monatsbudget sofort.
Erstens: der Familienzuschlag. Verheiratete Beamtinnen und Beamte erhalten nach §§ 39, 40 BBesG bzw. den entsprechenden Landesvorschriften einen Verheiratetenzuschlag und einen kinderbezogenen Anteil. Stand 1. März 2024 (Bund, Anlage V BBesG): Stufe 1 (Verheiratete) 171,28 €/Monat, Stufe 2 (mit erstem Kind) 317,66 €/Monat, +146,38 € für das zweite Kind, ab dem dritten Kind je +456,06 €. Aktuell zur Reform: Der Referentenentwurf zum Bundesalimentationsgesetz (Stand Frühjahr 2026) sieht vor, den Verheiratetenzuschlag in das Grundgehalt einzurechnen; der endgültige Gesetzesstand ist im Bundesgesetzblatt zu prüfen. Im Tarifbereich des öffentlichen Dienstes existiert seit der TV-L-Reform 2006 kein vergleichbarer pauschaler Verheiratetenzuschlag mehr. Im privaten Sektor gibt es ihn nicht.
Zweitens: die Polizeizulage. Auf Bundesebene nach Anlage IX BBesG, Stand 1. März 2024: 95 €/Monat nach einem Jahr Dienstzeit, 228 €/Monat ab dem zweiten Jahr. Mit den Tarifübertragungen 2025 und 2026 wurden dynamisierte Zulagen linear angehoben: +3,0 % ab 1. April 2025, +2,8 % ab 1. Mai 2026. Die aktuellen Beträge liegen entsprechend leicht höher. In NRW geregelt in § 47d LBesG NRW; ruhegehaltsfähig seit dem 1. Juli 2016. Der Betrag verschwindet mit dem Tag der Entlassung — ohne tarifliches Pendant.
Drittens: Schicht- und Erschwerniszulagen. Nach Erschwerniszulagenverordnung (EZulV): Wechselschichtzulage 102,26 €/Monat, Schichtzulagen je nach Konstellation 20,45 €, 30,68 € oder 61,36 €/Monat. Auch hier: ersatzlos. Tarifliche Schichtzuschläge gibt es im Privatsektor zwar, aber selten in dieser Höhe; der Steuer- und Beitragsfreiheits-Effekt von § 3b EStG gilt für Tarifbeschäftigte gleichermaßen — er ist also kein reiner Beamten-Vorteil.
Viertens: das Witwen- und Waisengeld. Nach § 20 BeamtVG erhält der überlebende Ehepartner einer verstorbenen Beamtin oder eines verstorbenen Beamten 55 % des Ruhegehalts als Witwen- bzw. Witwergeld (60 % nur in Altfällen mit Heirat vor 1. Januar 2002 und Geburtsdatum mindestens eines Ehegatten vor 2. Januar 1962). Bei Antragsentlassung erlischt diese Anwartschaft vollständig. An ihre Stelle tritt die Hinterbliebenenrente der gesetzlichen Rentenversicherung — als große Witwen-/Witwerrente (Faktor 0,55, ab Alter 47 oder bei Erziehung eines Kindes oder Erwerbsminderung) oder als kleine Witwen-/Witwerrente (Faktor 0,25, befristet auf 24 Monate, ohne weitere Voraussetzungen). Bezogen auf die deutlich kleinere nachversicherte Rente liegt der absolute Betrag bei einem Wechsel mit Mitte 40 oft bei einem Bruchteil der Beamten-Hinterbliebenenversorgung. Hinzu kommt: In der gesetzlichen Hinterbliebenenrente werden eigene Einkommen oberhalb eines Freibetrags angerechnet — eine Mechanik, die das Beamten-Witwengeld so nicht kennt.
Sozialabgaben-Differenz: die häufig übersehene Brutto-Netto-Lücke
Beamtinnen und Beamte sind nach § 5 SGB VI, § 27 SGB III und § 6 SGB V versicherungsfrei in der gesetzlichen Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Vom Bruttogehalt geht — stark vereinfacht — nur Lohnsteuer ab; Sozialabgaben kennt das Beamten-Brutto nicht. Im Tarif- oder Privatbereich gilt das Gegenteil.
Die Beitragsbemessungsgrenzen 2026 (bundeseinheitlich, Ost/West-Trennung in der Rentenversicherung zum 1. Januar 2025 aufgehoben): Krankenversicherung 5.812,50 €/Monat (69.750 €/Jahr), Rentenversicherung 8.450 €/Monat (101.400 €/Jahr). Quelle: Kabinettsbeschluss vom 8. Oktober 2025, Bundesratszustimmung 21. November 2025; veröffentlicht über die Bundesregierung und den GKV-Spitzenverband.
Die Beitragssätze 2026 für den Arbeitnehmer-Anteil zusammengerechnet:
- Krankenversicherung allgemein: 7,30 % + halber Zusatzbeitrag (durchschnittlich 1,45 %) = 8,75 %
- Pflegeversicherung: 1,80 % (für Eltern eines Kindes; Kinderlose +0,60 %; ab dem zweiten Kind Abschlag)
- Rentenversicherung: 9,30 %
- Arbeitslosenversicherung: 1,30 %
- Summe Arbeitnehmer-Anteil: 21,15 % (bei einem Kind, ohne Kinderlosen-Zuschlag)
Quellen: AOK Arbeitgeberservice — SV-Beiträge 2026, GKV-Spitzenverband Faktenblatt Rechengrößen 2026, lohn-info.de.
Konkret: Wer als Beamter aktuell 6.000 € Brutto bekommt und das im Tarifbereich „nur" mit 6.000 € Brutto repliziert, bleibt netto trotz geringerer Lohnsteuer rund 1.000 € pro Monat unter dem Beamten-Netto. Der Unterschied zwischen Beamten- und Tarifbrutto bei gleichem Netto liegt nach unserer Modellrechnung (75.000 € Jahresbrutto, verheiratet, Steuerklasse III, zwei Kinder, NRW) bei rund 700–900 €/Monat zugunsten der Beamtin oder des Beamten. Die exakte Zahl hängt von Konfession, PKV-Tarif, Mietenstufe und Kindern ab und sollte mit dem BMF-Lohn- und Einkommensteuerrechner für die eigene Lage durchgerechnet werden.
Beihilfe und Heilfürsorge: was beim Wechsel passiert
Vorab eine polizei-spezifische Klarstellung: Nicht alle Polizeibeamtinnen und -beamte stehen im Beihilfe-System. In Bayern, Hamburg, Hessen, Saarland, NRW (seit 2018) und beim Bund (Bundespolizei) erhalten Polizeibeamtinnen und -beamte freie Heilfürsorge statt Beihilfe — sie zahlen im aktiven Dienst keinen eigenen Beitrag zur Krankenversicherung. In den übrigen Ländern gilt das normale Beihilfe-Modell mit eigener restkostendeckender PKV.
Beim Wechsel entfällt in beiden Fällen der dienstherrengetragene Anteil. Bei Heilfürsorge-Bezieherinnen und -Beziehern ist der Sprung in eine Voll-PKV oder GKV monatlich noch deutlicher spürbar, weil bisher überhaupt kein eigener Beitrag anfiel.
Beihilfe-Wegfall: PKV-Vollversicherung oder Rückkehr in die GKV?
Beim Wechsel in den Tarifbereich gibt es zwei Wege.
Weg 1: Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung. Nur möglich, wenn das neue Gehalt unter der Versicherungspflichtgrenze 2026 (6.450 €/Monat brutto, 77.400 €/Jahr) liegt. Praktisch heißt das für die typische Wechsel-Persona A11 mit angestrebtem Brutto-Aufschlag: Der GKV-Weg fällt häufig aus, weil das Wechselgehalt über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Der GKV-Höchstbeitrag 2026 inklusive durchschnittlichem Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung liegt bei 1.226 € (mit Kindern) bis 1.261 € (kinderlos) pro Monat — Arbeitnehmeranteil davon rund die Hälfte (Quelle: GKV-Spitzenverband, Faktenblatt Rechengrößen 2026).
Weg 2: PKV als Vollversicherung weiterführen. Hier verschwindet der Beihilfeanteil ersatzlos — der bisherige PKV-Beitrag verdoppelt oder verdreifacht sich, weil die Restkostenversicherung zur Vollversicherung wird. Die genauen Tarife sind individuell; üblich sind monatliche Beträge zwischen 800 und 1.500 € pro versicherter Person je nach Alter und Tarif. Hinzu kommen Beiträge für mitversicherte Familienangehörige.
In beiden Fällen entsteht eine messbare Lücke gegenüber dem Beamten-System. Wer mit Mitte 40 in den Tarif wechselt, sollte die PKV-Tarif-Optionen vor der Entlassung beim eigenen Versicherer oder bei einem unabhängigen Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO durchrechnen lassen — die Frist für eine eventuelle Anwartschaft oder einen Tarifwechsel läuft mit dem Tag der Beihilfe-Beendigung.
Eine Kompensationsmöglichkeit: Riester-Förderung nach Nachversicherung
Den Verlustposten stehen aktive Hebel gegenüber. Der zentrale: Wer nach der Nachversicherung in einem rentenversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis steht (typischer Tarif-Job, ALG-I-Bezug, geringfügige Beschäftigung mit Aufstockung), ist nach § 10a EStG riesterförderfähig. Selbständige sind es regelmäßig nicht.
Die maximale Riester-Förderung 2026 umfasst Grundzulage 175 €/Jahr und 300 €/Jahr je kindergeldberechtigtem Kind (geboren ab 2008), maximal 2.100 €/Jahr Sonderausgabenabzug einschließlich eigener Beiträge. Konkret heißt das: Über einen Vorsorge-Horizont von 20+ Jahren lässt sich ein Bruchteil des Pension-Gaps schließen — nicht das gesamte Gap. Die genaue Höhe hängt von Einkommen, Familienstand, Verzinsung und Tarif ab; verbindliche Auskunft erteilt das zuständige Finanzamt.
Hinweis: Riester steht seit Jahren in politischer Reformdiskussion. Über eine konkrete Tarifwahl sollte daher eine unabhängige Versicherungsberatung nach § 34d Abs. 2 GewO oder eine Honorar-Anlageberatung hinzugezogen werden. Die hier gemachten Angaben sind keine Anlageberatung.
Was ein Wechsel-Gehalt leisten muss: der reale Break-Even
Ein realistischer Break-Even gegen das jetzige Beamten-Gesamtpaket ergibt sich aus drei Komponenten:
(a) Direkt entfallende monatliche Brutto-Bezüge: Familienzuschlag, Polizeizulage, Schicht- und Erschwerniszulagen — summiert 400–700 €/Monat brutto, je nach Zulage-Mix und Familienstand.
(b) Sozialabgaben-Differenz: 21 % Arbeitnehmer-Anteil gehen für Sozialversicherung ab — die ein Beamten-Brutto nicht zahlen muss. Bei einem Wechselgehalt von 70.000 € sind das (vereinfacht; wirksam bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze) bis zu 14.000 €/Jahr Brutto-Differenz, die kompensiert werden müssen, um aufs gleiche Netto zu kommen.
(c) Pensionsverlust kapitalisiert: Eine entgangene monatliche Beamtenpension von 1.000 € lebenslang ab Regelaltersgrenze hat — bei rechnerischer Annahme von 2 % Realzins und 18 Jahren Bezugsdauer (Lebenserwartung 85, Renteneintritt 67) — einen Barwert in der Größenordnung von 180.000–220.000 €. Bei höherer Lebenserwartung oder niedrigeren Zinsen entsprechend mehr. Wer den Pensionsverlust nicht durch private Vorsorge schließt (Riester nach Nachversicherung, betriebliche Altersvorsorge im neuen Job), rechnet die Wechsel-Bilanz langfristig negativ.
Konsequenz: Ein realistisches Wechselgehalt muss in vielen Fällen 15.000–20.000 € pro Jahr brutto über dem bisherigen Beamten-Brutto liegen, allein um aufs gleiche Netto zu kommen — und nochmal deutlich darüber, wenn der Pensionsverlust mit eingepreist werden soll.
Realistische Wechselgehälter: was der Markt 2026 zahlt
In der Wechsel-Diskussion zirkulieren Erwartungswerte von 80.000 € bis 90.000 € Einstiegsgehalt. Die aktuelle Stellenmarkt-Datenlage zeigt etwas Differenzierteres. Median-Gehälter aus den großen deutschen Stellenmarkt-Datenbanken (StepStone Gehaltsreport 2026, Glassdoor, Kununu, jeweils Stand Frühjahr 2026):
- IT-Security und Cyber-Forensik, Einstieg ohne einschlägige IT-Studienabschlüsse: typischer Korridor 51.000–55.000 €/Jahr brutto. Mit einschlägiger Zertifizierung (CISSP) oder zwei bis drei Jahren Praxis steigt der Median deutlich.
- Compliance und Fraud-Prevention: typischer Korridor 62.000–79.000 €/Jahr brutto. Bank- und Versicherungs-Compliance liegt am oberen Ende, kleinere Mittelständler darunter.
- Corporate Security und Werkssicherheit: typischer Korridor 55.000–70.000 €/Jahr brutto, bei DAX-Konzernen mit Personalverantwortung höher.
Eine branchenscharfe Betrachtung lohnt: Polizei-Vorqualifikation hat in einigen Bereichen — Banken-Compliance (Geldwäsche-Prävention, Fraud-Investigation), Versicherungs-Ermittlung, Konzern-Investigations — dokumentiert einen Aufpreis-Wert gegenüber rein akademischen Profilen. Für einschlägige Senior-Compliance-Positionen in Großbanken sind 90.000–110.000 €/Jahr realistisch erreichbar — meist nicht direkt beim Einstieg, aber innerhalb von zwei bis drei Jahren. Wer den Markt branchen- und arbeitgeberscharf prüft, statt pauschal von „Privatwirtschaft" auszugehen, findet Pfade mit Brutto-Aufschlag gegenüber A11. Die pauschale Aussage „80k+ sofort beim Wechsel" ist in der Mehrzahl der Fälle zu optimistisch; die Aussage „Verzicht ist unvermeidlich" ist es ebenso.
Die nüchterne Bilanz: Geld ist eine Dimension, nicht die einzige
Diese Rechnung ist eine reine Geld-Dimension. Wer aus gesundheitlichen, familiären oder Sinngründen geht, nimmt einen finanziellen Tausch in Kauf — die Frage ist dann nicht „lohnt sich der Wechsel finanziell", sondern „kann ich mir den Tausch leisten und ist er meinen nicht-monetären Gewinn wert". Beide Fragen sind legitim. Ihre Beantwortung gehört auf die gleiche Faktenbasis: konkrete Eurobeträge für die eigene Lage, kein Bauchgefühl.
Drei Hinweise zum Schluss:
- Antragsentlassung ist nicht der einzige Weg aus dem Polizeidienst. Beurlaubung ohne Dienstbezüge mit Rückkehrrecht erhält die Anwartschaft (sie ruht); Teilzeit erhält sie proportional; Versetzung in ein anderes Bundesland bedeutet keinen Versorgungsverlust. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom konkreten Auslöser ab.
- Dienstunfähigkeit (DU) ist ein eigener rechtlicher Pfad mit anderen Rechtsfolgen — die Versorgung bleibt typischerweise erhalten, ggf. mit Ruhegehalt aus DU-Gründen. DU ist keine Wahlmöglichkeit der Beamtin oder des Beamten, sondern eine medizinische Tatsache, die im Verfahren nach den jeweiligen landes- bzw. bundesbeamtenrechtlichen Vorschriften (z. B. § 26 BBG) durch einen Amtsarzt im Auftrag des Dienstherrn festgestellt wird. Wer aus Gesundheitsgründen erwägt zu gehen, sollte vor jedem formellen Schritt eine Einordnung durch eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Beamtenrecht einholen.
- Eine erneute Ernennung in den Polizeidienst nach Antragsentlassung ist rechtlich nicht ausgeschlossen, setzt aber ein neues Bewerbungs- und Auswahlverfahren voraus und ist kein Anspruch. Die alten Dienstjahre und Anwartschaften kommen dabei nicht automatisch zurück — über die Anrechnung der Vordienstzeit nach Beamtenversorgungsrecht entscheidet der neue Dienstherr im Einzelfall.
Hinweis zur Scheidung: Im Beamten- wie im Renten-/Altersgeldrecht gilt der Versorgungsausgleich. Ein Wechsel kurz vor oder nach einer Trennung verändert die Berechnungsmasse — relevant ist hier die Beratung durch eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Familienrecht.
Pension-Verlust selbst berechnen: drei Zahlen, drei Anträge
Bevor das Gespräch zu Hause oder mit einem Beratungspartner sinnvoll wird, brauchen Sie drei Zahlen.
Erstens: Ihre nachversicherte oder altersgeldberechtigte Versorgung. Im Altersgeldland: Antrag beim zuständigen Landesamt für Besoldung und Versorgung bzw. beim Bundesverwaltungsamt auf Auskunft über die zu erwartende Altersgeldleistung. Im Bundesland ohne Altersgeld: Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung auf Renteninformation, in der die Beamtenzeit nach Nachversicherung enthalten ist.
Zweitens: Ihre tatsächliche Brutto-Belastung im Tarifbereich. Mit dem BMF-Lohn- und Einkommensteuerrechner ein realistisches Wechselgehalt durchspielen — Steuerklasse, Konfession, Kinder einrechnen. Daneben die voraussichtlichen Sozialabgaben aus den Beitragsbemessungsgrenzen 2026 hochrechnen.
Drittens: Ihre PKV-Optionen nach Beihilfe- bzw. Heilfürsorge-Wegfall. Direkt beim eigenen PKV-Anbieter (oder einem unabhängigen Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO) den Tarifwechsel auf Vollversicherung anfragen — und parallel den GKV-Höchstbeitrag als Alternative durchrechnen, sofern das Wechselgehalt unter der Versicherungspflichtgrenze bleibt.
Erst wenn diese drei Zahlen vorliegen, lässt sich seriös beziffern, was ein Wechsel kostet — und welches Brutto-Gehalt der neue Job mindestens haben müsste, damit die Rechnung aufgeht. Die Eigenrecherche dauert drei Anträge und mehrere Wochen Wartezeit; wer sie sich ersparen möchte, findet die Berechnung im individuellen Report — Zustellung 24 Stunden nach Fragebogen.
Hinweis: Der folgende Abschnitt ist eine Produktinformation zum hauseigenen Beratungsangebot.
Nächster Schritt: Dieser Beitrag erklärt die Mechanik allgemein. Der individuelle Kurskorrektur-Polizei-Report rechnet sie für Ihre konkrete Lage durch: Pensionsverlust in Euro, Nachversicherung in der DRV, Beihilfe- bzw. Heilfürsorge-Wegfall, PKV-Vollkosten, Steuer- und Familien-Folgen — für Ihre Besoldung, Ihr Bundesland, Ihre Dienstjahre. Plus drei realistische Wechselpfade für Ihre Amtsbezeichnung — mit Gehaltsspannen, realistischen Arbeitgebern, Einstiegsvoraussetzungen und Zeithorizonten. Plus die Rechtslage zur Antragsentlassung (§ 23 Abs. 1 Nr. 4 BeamtStG bzw. § 33 BBG) mit Fristen und Quellen. Statt Persona A11/16 Jahre: Sie. Launch Juni 2026, Frühbucher-Preis 99 € statt regulär 149 €. Mit Waitlist-Eintrag erhalten Sie sofort den 12-seitigen Muster-Report als PDF. 14 Tage Widerrufsrecht für Verbraucher nach §§ 355 ff. BGB.
Über den Autor: Dr. Alexander Groß ist promovierter empirischer Bildungsforscher mit mehrjähriger Beratungserfahrung zu Karriere-Übergängen im öffentlichen Dienst, Schwerpunkt Polizei. Stand des Artikels: 7. Mai 2026.
Weiterlesen: Die rechtliche Mechanik der Antragsentlassung im Detail: „Wenn die Uniform schwerer wird — innere Kündigung im Polizeidienst". Was eine Wechsel-Frage zu Hause zu den fünf häufigsten Tabu-Themen macht: „Beziehung im Polizeidienst — die fünf Themen". Was der Polizeidienst biologisch kostet — die zweite Bilanz: „Der biologische Preis des Dienstes". Die Datenlage zum Wechsel-Trend: „Warum immer mehr Polizisten aussteigen — die Zahlen".
Häufige Fragen
Verliere ich meine Pension komplett, wenn ich aus dem Polizeidienst aussteige?
Die Anwartschaft auf Beamtenpension verlieren Sie bei Antragsentlassung vollständig. An ihre Stelle tritt entweder das Altersgeld (Bund und neun Länder) oder die Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 8 SGB VI (sieben Länder ohne Altersgeld). „Komplett verloren" ist die Versorgung also in keinem Fall — aber die Differenz zwischen voller Pension und Nachversicherungsrente ist erheblich.
In welchen Bundesländern gibt es kein Altersgeld für Polizeibeamte?
In sieben Bundesländern existiert für Polizeibeamtinnen und -beamte aktuell kein Altersgeld: Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Saarland, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. (Rheinland-Pfalz hat ein AltGG nach § 83a LBeamtVG RP nur für hauptamtliche kommunale Wahlbeamte.) Quelle: BMI — Altersgeld; Landesversorgungsgesetze.
Was bedeutet Nachversicherung nach § 8 SGB VI konkret?
Der ehemalige Dienstherr zahlt rückwirkend Rentenversicherungsbeiträge auf Basis der tatsächlichen Beamten-Bruttobezüge an die Deutsche Rentenversicherung. Daraus entstehen Entgeltpunkte, die später als gesetzliche Rente ausgezahlt werden. Beispielrechnung A11/16 Jahre: rund 18,5 Entgeltpunkte × 42,52 €/EP (Rentenwert ab 1. Juli 2026) = ca. 786 € Bruttorente, nach KV-/Pflegeabzug rund 690 € Nettorente.
Wie viel Pension bekommt eine Polizistin oder ein Polizist nach 20 Jahren Dienst?
Bei voller Beibehaltung des Beamtenverhältnisses entstehen pro Dienstjahr 1,79375 % Anwartschaft auf die ruhegehaltsfähigen Bezüge. Nach 20 Jahren also rund 35,9 %. Bei A11-Endbezügen von ca. 5.500 € sind das ca. 1.975 € Brutto-Pension monatlich (vor Anpassungsfaktor). Die volle Maximalpension von 71,75 % wird nach 40 Dienstjahren erreicht.
Wie lange muss ich Polizeibeamtin oder Polizeibeamter sein, um Altersgeld zu bekommen?
Auf Bundesebene nach § 3 AltGG: mindestens fünf Jahre altersgeldfähige Dienstzeit, davon mindestens vier Jahre im Bundesdienst. In den Ländern teils analog (z. B. Niedersachsen, Hessen) oder mit längerer Wartezeit. Vor Antragstellung verbindlich beim zuständigen Landesamt prüfen lassen.
Wann und wie muss ich Altersgeld beantragen?
Altersgeld wird nicht automatisch ausgezahlt. Der Festsetzungs-Antrag ist beim zuständigen Landesamt für Besoldung und Versorgung bzw. dem Bundesverwaltungsamt typischerweise im Zuge der Entlassung zu stellen; der Auszahlungs-Antrag vor Renteneintritt. Vor der Antragsentlassung schriftlich klären, ob die Wartezeit erfüllt ist.
Welches Brutto-Gehalt muss der neue Job mindestens haben, um aufs gleiche Netto zu kommen?
Bei einem Beamten-Brutto von 6.000 €/Monat liegt der Tarif-Brutto-Bedarf für gleiches Netto rund 700–900 €/Monat höher — also etwa 6.700–6.900 €/Monat. Der Unterschied entsteht durch Sozialabgaben (rund 21 % Arbeitnehmer-Anteil), die das Beamten-Brutto nicht kennt. Die exakte Zahl hängt von Familienstand, Steuerklasse, Konfession und Kindern ab und sollte mit dem BMF-Lohn- und Einkommensteuerrechner durchgespielt werden.
Was passiert mit der Beihilfe bzw. Heilfürsorge und der PKV beim Wechsel?
Beihilfe oder Heilfürsorge entfallen mit dem Tag der Antragsentlassung. Zwei Wege bleiben: Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung (nur wenn das neue Gehalt unter der Versicherungspflichtgrenze 2026 von 6.450 €/Monat liegt; GKV-Höchstbeitrag 1.226–1.261 €/Monat je nach Kinderzahl) oder Weiterführung der PKV als Vollversicherung — in der Regel mit deutlich höherem Beitrag. Bei Heilfürsorge-Bezieherinnen und -Beziehern entsteht der größte Sprung, da bisher kein eigener Beitrag anfiel.
Was wird aus dem Witwen- und Waisengeld bei Antragsentlassung?
Die Anwartschaft auf Witwen- bzw. Witwergeld nach § 20 BeamtVG (55 % des Ruhegehalts; 60 % nur in Altfällen mit Heirat vor 2002 und Geburt vor 1962) erlischt vollständig. An ihre Stelle tritt die gesetzliche Hinterbliebenenrente — als große (Faktor 0,55, ab 47 Jahren oder mit Kind/Erwerbsminderung) oder kleine (Faktor 0,25, befristet 24 Monate) Witwenrente. Bezogen auf die kleinere nachversicherte Rente liegt der absolute Betrag bei einem Wechsel mit Mitte 40 oft bei einem Bruchteil der Beamten-Hinterbliebenenversorgung.
Sind realistische Wechselgehälter wirklich so niedrig wie dargestellt?
Die Median-Werte aus aktuellen deutschen Stellenmarkt-Daten (StepStone Gehaltsreport 2026, Glassdoor, Kununu, Stand Frühjahr 2026) zeigen für die typischen Polizei-anschlussfähigen Bereiche: IT-Security und Cyber-Forensik 51.000–55.000 €/Jahr (Einstieg ohne Studium), Compliance und Fraud-Prevention 62.000–79.000 €/Jahr, Corporate Security 55.000–70.000 €/Jahr. Höher (90.000–110.000 €) ist in Banken-Compliance/Geldwäsche-Prävention realistisch — meist nicht beim Einstieg, sondern nach zwei bis drei Jahren.
Kann ich Riester abschließen, wenn ich nachversichert wurde?
Wer nach der Nachversicherung in einem rentenversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis steht (Tarif-Job, ALG-I-Bezug), ist nach § 10a EStG riesterförderfähig. Selbständige sind es regelmäßig nicht. Voraussetzung ist die Einwilligung zur Datenübermittlung an die Deutsche Rentenversicherung. Die konkrete Förderfähigkeit klärt das zuständige Finanzamt.
Beurlaubung oder Antragsentlassung — was ist finanziell sinnvoller?
Beurlaubung ohne Dienstbezüge erhält die Pensionsanwartschaft (sie ruht); sie ist reversibel mit Rückkehrrecht. Antragsentlassung löscht die Anwartschaft und ist praktisch nicht reversibel (eine erneute Ernennung ist möglich, aber kein Anspruch und ohne automatische Anrechnung der Vordienstzeit). Wer den Polizeidienst nicht endgültig hinter sich lassen will, sollte zuerst Beurlaubung prüfen.
Brauche ich den individuellen Report, wenn ich diesen Artikel gelesen habe?
Wenn Sie A11 sind, 16 Dienstjahre haben, in NRW arbeiten und ein Wechsel in IT-Security oder Compliance Sie reizt, ist die Beispielrechnung in diesem Artikel nahe an Ihrer Antwort. Wenn eine dieser Konstellationen anders ist — andere Besoldungsgruppe, anderes Bundesland, andere Familienkonstellation, andere Wechselrichtung —, variieren die Eurobeträge erheblich. Die Mechanik bleibt identisch, die konkreten Zahlen verschieben sich um Hunderte bis Tausende Euro pro Monat. Der individuelle Report rechnet Ihre Laufbahn durch und ist auf Ihre Situation zugeschnitten — mit Ihrer Besoldung, Ihrem Bundesland, Ihren Dienstjahren, Ihrer Familienkonstellation. Plus drei realistische Wechselpfade für Ihre Amtsbezeichnung. Wer eine Excel-konforme, individuell durchgerechnete Wechselbilanz braucht, kommt mit der allgemeinen Mechanik in diesem Artikel nicht zum Ziel.
Quellen
- Beamtenstatusgesetz (BeamtStG), § 23 — Entlassung kraft Gesetzes. gesetze-im-internet.de
- Bundesbeamtengesetz (BBG), § 33 — Entlassung auf Antrag. gesetze-im-internet.de
- Altersgeldgesetz des Bundes (AltGG). gesetze-im-internet.de
- Beamtenversorgungsgesetz (BeamtVG), § 20 — Witwengeld. gesetze-im-internet.de
- Beamtenversorgungsgesetz (BeamtVG), § 69e — Anpassung. gesetze-im-internet.de
- Sechstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI), § 8 — Nachversicherung. gesetze-im-internet.de
- Sechstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI), §§ 46, 67 — Hinterbliebenenrenten. gesetze-im-internet.de
- Bundesbesoldungsgesetz (BBesG), §§ 39, 40 — Familienzuschlag; Anlage V (Beträge). gesetze-im-internet.de · Anlage V
- BBesG Anlage IX — Polizeizulage. gesetze-im-internet.de
- Einkommensteuergesetz (EStG), § 19 — Versorgungsfreibetrag. gesetze-im-internet.de
- Einkommensteuergesetz (EStG), § 10a — Riester-Förderung. gesetze-im-internet.de
- Bundesministerium des Innern (BMI): Altersgeld — Übersicht Bund und Länder. bmi.bund.de
- Bundesregierung: Achter Versorgungsbericht (Bundesbereich). BT-Drucksache 21/1040, Juli 2025. Bundestag-PDF
- Bundesregierung: Rechengrößenverordnung 2026 — Beitragsbemessungsgrenzen, Bezugsgröße, Durchschnittsentgelt. Kabinettsbeschluss 8. Oktober 2025, Bundesratszustimmung 21. November 2025; verbindlich nach Verkündung im Bundesgesetzblatt. bundesregierung.de
- Deutsche Rentenversicherung: Rentenanpassung 2026 — neuer Rentenwert ab 1. Juli 2026: 42,52 €. deutsche-rentenversicherung.de
- Zoll: Berechnung des Altersgeldes nach AltGG. zoll.de
- GKV-Spitzenverband: Faktenblatt Rechengrößen 2026 — Beitragsbemessungsgrenzen, Versicherungspflichtgrenze, Höchstbeitrag. gkv-spitzenverband.de
- AOK Arbeitgeberservice: Sozialversicherungsbeiträge 2026 — Übersicht KV, PV, RV, AV. aok.de
- Bundesministerium der Finanzen: Lohn- und Einkommensteuerrechner. bmf-steuerrechner.de
- Haufe: Riesterzulage bei nachversicherten ehemaligen Beamten. haufe.de
- StepStone: Gehaltsreport 2026 — Branchen- und Berufsmediane Deutschland. stepstone.de
- Glassdoor: Aggregierte Gehaltsdaten IT-Security, Compliance, Corporate Security 2026. glassdoor.de
- Kununu: Aggregierte Gehaltsdaten IT-Security, Compliance, Corporate Security 2026. kununu.com
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